You Know My Wandering Days Are Over – Does That Mean That I’m Getting Boring?

Ja, es hatte sich schon länger angekündigt. Nicht erst seit dem dreißigsten Geburtstag wurde das Leben zusehends ruhiger. Beim Aufofahren zählt statt der Geschwindigkeit nun der niedrige Durchschnittverbrauch. Ein Abend auf dem Sofa wirkt weit weniger befremdlich sondern vielmehr als willkommene Abwechslung. Sport hat eine strategische Komponente bekommen. Und auch wenn das gesteigerte Selbstbewusstsein zuweilen noch überrascht, ist der Umgang damit deutlich souveräner. Die Punkplatten stehen noch im Regal aber die Anlage spielt oft Anderes: Die neueren Stücke Tocotronics, deren ich mich immer mehr gewachsen fühle. Die gefühlvollen Balladen Tilman Rossmys, die mir nicht selten meine Augen feucht werden lassen. Die unwiderstehlichen Harmonien alter Künstler, die mir immer mehr bedeuten als die impulsiven Gitarrenriffe zu denen ich damals im Karreraklub meinen Verstand verlor.

Und nun folgt das, was wohl immer mehr natürlich wirkt. Verantwortung.

Ich heule vor Glück.

after all it’s just a road

Stuart wartete schon einige Minuten in seinem liebevoll gepflegten Ford Mustang vor dem Haus als David endlich die Tür hinter sich ins Schloss fallen ließ und mit einem kleinen Rucksack in der Hand zum Auto rannte. Na los, nun steig schon ein und mach die Tür zu, forderte er David auf. Sie hatten sich vor wenigen Tagen im Job kennengelernt. David hatte erst Anfang der Woche hier angefangen und war aus einer Kleinstadt im Süden Englands hierher gezogen. Auch Stuart arbeite erst wenige Woche hier, nachdem er lange Zeit in Asien unterwegs war. Zwischen den beiden hatte sich schnell eine Freundschaft aufgebaut, nachdem alle anderen im Unternehmen zwar nett aber immer dann abweisend waren, wenn es über das berufliche hinausging. So hatten sich Stuart und David verabredet das Wochenende gemeinsam zu verbringen, ohne jedoch genauer zu wissen, was sie eigentlich machen sollten. David war froh so schnell jemanden gefunden zu haben und fühlte sich sehr lässig, als sie gemeinsam durch die Straßen dieser Stadt fuhren. Er schob den Sitz nach hinten und legt die Beine aufs Armaturenbrett. Stuart sah etwas genervt rüber und sagte, dass er doch schleunigst die Füße runternehmen sollte. Bei seinem Ford war Stuart empfindlich, auch wenn er es hasste andere zu maßregeln. Stuart fühlte sich etwas verantwortlich für David. Er war absolut neu in der Gegend und kannte hier nichts und niemand. Also dachte er, dass sie gemeinsam eine kleine Spritztour machen könnten. Sie fuhren durch eine kleine grüne Vorstadt und Stuart begann lässig und so beiläufig wie möglich etwas zu erzählen. Er wollte auf keinen Fall wie ein Fremdenführer wirken, der einem Touristen die Stadt zeigte. Er mochte diesen David irgendwie, auch wenn er 6 Jahre junger war als er. Ich mag diesen Vorort, begann er zu erzählen. Ich war schon sehr oft hier. Als ich jung war, kam ich regelmäßig mit meinen Eltern hier her. Du weißt schon wegen der frischen und gesunden Luft, weit weg von den Fabriken. Und dort drüben, er zeigte mit der Zigarette in seiner Hand auf einen kleinen buntgeschmückten Laden, dieses Geschäft. Da bekommst Du echt alles!

David saß gespannt neben Stuart und nickte möglichst unangestrengt. Er bewunderte Stuart für seine Lässigkeit und genoss das Gefühl von diesem gemocht zu werden. Es war völlig egal was er erzählte und ob es interessant war. Es zählte nur, dass sie beide zusammen in diesem Auto saßen und eine Spitztour machten. Sie fuhren einfach raus, weit weg von zu Hause. Sie waren vielleicht schon 30 Meilen oder mehr gefahren aber das war völlig egal und es scherte niemanden. Weißt Du was, unterbrach Stuart seine Gedanken, warum verlassen wir nicht die Stadt und fahren die 62 runter. Es sind von hier nur 39 Meilen und 45 Minuten nach Manchester und da wurde ich geboren. Ja dachte David, ja, genau das wollte er. Einfach raus fahren, weit raus ohne sich um irgendetwas in der Welt kümmern zu müssen. Ich hab auch ein paar Freunde im Norden, unterbrach Stuart wieder Davids Gedanken. Wenn Du Lust auf eine längere Tour hast, müssen wir nur noch etwas mehr aufs Gaspedal drücken. Wir können Leute von mir in Newcastle anrufen oder vielleicht Glasgow. Da gibt’s echt viele schöne Sachen zu sehen. Keine Sorge, das wird echt nett! Aber David hatte gar keine Sorgen. Er war glücklich und erstaunt wie einfach das alles war. Sie fuhren einfach umher. Warum also nicht hoch nach Glasgow? Wen stört das schon?! Er dachte an die unzähligen Roadmovies, die er schon hunderte Male gesehen hatte und die er so liebte. Und er dachte an die ganzen Songs, die sich um das Autofahren und die Straße drehten. Straßen mussten irgendwie ein Quelle kreativer und guter Ideen sein dachte er und musste im gleichen Moment lachen. Es war einfach nur eine Straße, eine ganz normale Straße und sie fuhren Richtung Norden und hatten eine verdammt gute Zeit. Das ist alles. Er blickte aus dem geöffneten Seitenfenster und ließ sich den Fahrtwind ins Gesicht wehen.

Und wie heißt dieses Lied, welches schon die ganze Zeit im Autoradio läuft?

Autobiografie eines Holzofens

Ich erinnere mich an meinen Vater, der meinte: Du bist so respektlos. Und ich erinnere mich an meine Mutter, die sagte: Nimm mehr Rücksicht, Du musst Verständnis haben. Und ich erinnere mich an die Nazis aus dem Dorf die mich blöd anmachten – Das ist links man, fang an zu denken!

Ich hatte mir mit Paketklebeband die Markenabzeichen meiner Klamotten abgeklebt und mit Edding groß PROTEST drauf geschrieben. Ich sah die Leute auf der Straße und versuchte anders zu sein – und ich erinnere mich auch warum: Meine Leistungen im Fußball waren so ungenügend, dass ich beschloss, anders zu sein. Ganz klar gekränkte Eitelkeit. Komisch, dass das bis heute anhält.

Ich erinnere mich an Tocotronic: Ich möchte Teil einer Jugendbewegung sein. Und ich erinnere mich an Plan B: Bomb me happy! Ich erinnere mich an Samstagabende. Nachts ohne Licht auf dem Fahrrad besoffen zur nächsten Party fahren, die Vorräte leertrinken, sich über die schlechte Musik beschweren und wieder abhauen. Ich erinnere mich an Demos. An Parolen, Bullen und an Gewalt. Und ich erinnere mich an Fahrten nach Berlin zum Karreraklub, zu Oasis und zu Radiohead. Ich war begeistert und ich war verblendet. Ich fand mich cool und hatte keine Ahnung wie blöd ich aussah.

Ich erinnere mich an Menschen, die an ihren Idealen zerbrochen sind. Und ich erinnere mich an Menschen, die alles das über Bord warfen, für das sie einst standen. Ich erinnere mich an barfuß durch Obstgärten streifen, an Fahrradfahrten in den Sonnenuntergang, Zelten in einsamer Wildnis und den ersten Kuss in der großen Schulpause. Ich erinnere mich an laute Musik, Drogen, besoffen in der S-Bahn einschlafen und daran, wie ich mit wildfremden Menschen über Kapitalismus und Rockmusik der 70er Jahre diskutierte.

Ich erinnere mich an Eifersucht, Einsamkeit und das Gefühl nicht verstanden zu werden. Daran, dass ich dachte: Was sind das nur für Menschen? Ich hatte gelernt. Ich konnte mich nicht mehr mit normalen Menschen unterhalten. Ich hatte Abgründe gesehen. Ich hatte Angst. Mir war nichts egal. Ich stritt mich weiterhin über Banalitäten und fühlte nichts dabei. Ich war erstaunt über meine Bedeutungslosigkeit und hörte auf darüber nachzudenken.

Ich erinnere mich an Licht, dass immer blendete, an Hitze und an Wind, der mir Sand ich die Augen blies. Ich erinnere mich an Fehler, die keine sein sollten, an Tränen, unscharfe Konturen und blasse Farben.

Ich erinnere mich daran, dass ich mich nicht erinnere.

the revolution is just a t-shirt away

We want to raise awareness of current resistance activities. There is a great variety of perspectives and angles of approach to the study of resistance movements. People come from various disciplines and this is very rewarding. We don’t always understand each other but it is better to disagree than to have a common view of the world. That would be a far greater loss. But we have no intentions of making resistance studies to a resistance science”, Christopher Kullenberg explains.

Restistance Studies Networt

thats how people grow up

Ich schaue nach oben und sehe am wolkenlosen blauen Himmel zwei Drachen lautlos im heißen Ostwind schweben. Zwei kleine einfache, offenbar selbst gebastelte Trapeze stehen dort über den Dächern dieser Stadt, in der es absurder nicht zugehen könnte.

Die Drachen ähneln sich sehr. Beide haben eine einfache, fast quadratische Bauform und lange verzierte Schwänze, die sich scheinbar synchron mal nach links und mal nach rechts im Wind hin und her bewegen. Ich senke den Blick etwas und sehe am anderen Ende der Drachenschnüre nur wenige hundert Meter voneinander entfernt jeweils eine Gruppe von Kindern auf Häuserdächern stehen. Augenscheinlich haben sie alle dieselbe Freude am Drachensteigen. Doch werden sie ihre Freunde daran möglicherweise niemals teilen. Sie sind getrennt durch hohe Mauern, Stacheldraht, Bewaffnete Personen mit und ohne Uniform und durch die zermürbende Gegenwart eines Konfliktes, der viel älter ist als diese Kinder.

Ich muss etwas genauer hinschauen, um den Unterschied zu sehen. Die Kinder der einen Gruppe haben einen auffälligen Haarschnitt und tragen ungewöhnliche Kleider. Es sind die Kinder von etwa tausend orthodox jüdischen Siedlern, die sich hier in der Innenstadt von Hebron niedergelassen haben. In einer Stadt, die mehrheitlich von arabisch stämmigen Moslems bewohnt wird. Sie leben nicht miteinander. Es ist wohl eher ein gegeneinander, welches die Situation der hier lebenden Menschen beschreibt.

Ich blicke geradeaus und sehe vor mir eine Gasse mit wenigen Menschen und ein paar offenen Geschäften. Sie wird von Maschendraht überdeckt, welcher links und rechts an den einstöckigen Bauten angebracht ist. Dieses notdürftig befestigte Zaungitter soll vor Attacken schützen. Auf diesem hat sich bereits einiges angesammelt: Pflaster- und Ziegelsteine, Flaschen und Müll aller Art.

Ich gehe nur ein kleines Stück weiter und gelange zu einem Checkpoint. Fünf Soldaten stehen hinter mannshohen Betonblöcken. Sie kontrollieren meinen Pass und fragen nach meinen Beweggründen hierher zu kommen. Keiner ist nur annähernd so alt wie ich. Sie tragen schwere kugelsichere Schutzwesten und große Maschinengewehre. Die meisten von ihnen wirken eher gelangweilt als angespannt. Andere haben offenbar das Bedürfnis nach Anerkennung und nehmen ihren Job peinlich genau. Fragt man sie nach Ihren Motiven für Ihren Dienst in Hebron, so sind die Antworten sehr unterschiedlich. Während einige nur darauf warten, die dreijährige Wehrpflicht zu beenden und bereits von einer Weltreise träumen, sind andere sehr stolz darauf, ausgerechnet an diesem Ort und in dieser oder jener Kompanie ihren Dienst ableisten zu können. In einem kurzen Gespräch erzählt einer von ihnen aus dem Alltag als Soldat der Israel Defence Force (IDF) in Hebron. Es sind nicht nur die Palästinenser vor denen sie Angst haben –  es sind auch die Siedler, die nicht selten die eigenen Sicherheitskräfte angreifen.

Ich versuche mit Leuten auf beiden Seiten ins Gespräch zu kommen. Zu dem Konflikt äußern sie sich meist nur indirekt. Sie alle beteuern ihren Willen zum Frieden – nicht aber den Willen zu einem Kompromiss, der diesen Frieden in scheinbar erreichbare Nähe rücken ließe. Es ist dies der Ausdruck eines Konfliktes, der sich weder mit rationalen Ursachen oder Kategorien noch irgendwelchen anderen scheinbar logischen Begründungen erfassen lässt. Er hat sich zu einem Automatismus entwickelt, mit dem beide Seite auf absurde Weise zu leben gelernt haben.

if you’re black you might as well not show up on the street

“Dienstag, 12. Februar 2008. (…) Zwischen halb vier und vier Uhr morgens sind sie gekommen, um die Zellen zu durchsuchen. Manche hatten nicht die Zeit sich anzuziehen. Wir haben eine halbe Stunde in der Kälte gewartet. Währenddessen haben sie die Zimmer durchsucht. Dann haben sie uns durchsucht, jeweils in Zehnergruppen. Als wir zurück in die Zimmer kamen, haben wir zerrissene und zertrampelte Korane gefunden, zerstörte Handy-Ladegeräte, zerschnittene Leitungen. Die Telefone sind verschwunden. (…)”

Mit welchem Recht Menschen bis zu 18 Monaten ins Gefängnis geworfen werden, obwohl sie kein Verbrechen begangen haben

Es brennt in den Ecken: Vincennes, illegale Einwanderer und Europa

es ist nicht die sonne die untergeht

Ja, ich muss es zugeben. Ich bin auch Fan. Ich bin auch stolz. Ich identifiziere mich auch mit etwas. Die Sonne und ich – wir sind ein gutes Team! Bei der Sonne bin ich der zweite, und nicht erst der zwölfte Mann und auch sonst ist die Sonne besser als Deutschland und sogar besser als dessen männliche Fußballnationalmannschaft – was ja aber irgendwie in letzter Zeit auch das gleiche zu sein scheint.

Zum Beispiel sprüht die Sonne immer vor Energie. Niemals zeigt sie Schwächen. Außerdem ist sie so schön groß, rund, warm und, man verzeihe mir an dieser Stelle den Sexismus, weiblich schön. Auf meine Sonne kann ich mich einfach immer verlassen. Sie ist nicht arrogant und steht meistens über den Dingen. Sie ist jetzt schon seit mehreren millionen Jahren erfolgreich und bisher konnte sie noch nichts so richtig aus der Bahn werfen. Ja, ich bin stolz auf meine Sonne.

Nebenbei ist es auch einfach praktischer, sich mit der Sonne zu identifizieren als mit Deutschland. Zum einen sieht sie es nun mal nicht so bekloppt aus mit Sonnencreme auf der Haut und einer Sonnenbrille auf der Nase rumzurennen als mit Deutschlandschminke im Gesicht und Designerfunktionsshirt überm Adidas-Pulli. Das Sonnendach meines Autos ist ebenfalls hübscher als diese Deppenfähnchen, die an einigen Autos so rumflattern und dort für einen zusätzlichen CO2 Ausstoß sorgen. Zudem ist die Sonne auch gerechter. Sie ist für alle da und grenzt niemanden aus. Hinzu kommt,  dass die Sonne seit jeher eine große Freundin des Lebens auf der Erde ist. Deutschlands Rolle dagegen ist dazu im direkten Vergleich.. ähm.. naja.. sagen wir mal etwas zweifelhaft.

Ich fühl mich wohl mit meiner Sonne. Ich kann sie nahezu immer und auch außerhalb von Stadion und Public Viewing sehen und brauche weder Massenaufläufe, Patriotismus, schlagende Polizei und besoffene Hooligans dazu. Ich fühl mich einfach gut mit meiner Sonne. Meine Sonne und ich – wir gewinnen einfach immer. Und jetzt sage noch bitte jemand, es sei doch total unlogisch auf etwas wie die Sonne stolz zu sein..?!

take your shoes off curl your toes

In den Zeiten immer brutalerer Einschränkungen von Freiheitsrechten und zunehmender Überwachung (aktuellstes Beispiel: Schweden) ist die Verschlüsselung und Verifizierung von E-Mails, die nicht als öffentliche Postkarte gedacht sind, ein immer dringenderes Gebot. Zunehmend werden die entsprechenden Verfahren auch anwenderInnenfreundlicher. So gibt es schon seit längerem komfortable Erweiterungen für gute E-Mail-Programme wie Thunderbird. Relativ neu ist aber das wirklich einfach zu bedienende Plugin für Firefox, mit dem sich die moderne und sichere PGP-Verschlüsselung auch mit GoogleMail verwirklichen lässt. Voraussetzung dafür ist lediglich die Installation von GnuPGP (hier speziell für Windows).
Here is my key